Bürgerkapelle St. Michael Eppan

Bürgerkapelle, 1923Bürgerkapelle, 1923Die Bürgerkapelle St. Michael Eppan ist eine der tragenden kulturellen Säulen der Gemeinde Eppan an der Südtiroler Weinstraße und trägt durch ihre musikalische und gesellschaftliche Tätigkeit zur Bereicherung der Dorfkultur bei.

Die Bürgerkapelle ging aus der gleichnamigen Freiwilligen Feuerwehr hervor und wurde 1898 als „Feuerwehr-Kapelle“ gegründet. Später nannte sie sich „Vereinskapelle“ und trägt seit 1950 ihren heutigen Namen „Bürgerkapelle St. Michael Eppan“.

In alten Schützenprotokollen und Kirchenbüchern kann das Musizieren weltlicher Marschmusik im Eppan bis ins Jahr 1754 zurückverfolgt werden. Auch weisen verschiedene Quellen auf eine Musikgesellschaft St. Michael im Jahre 1845 und 1894 hin, doch erst mit der Gründung der damaligen „Feuerwehrkapelle“ 1898 lässt sich eine einheitliche Geschichte bis zum heutigen Tage nachvollziehen.

Von der Gründung bis zum Jahre 1914 belegen Zeitungsartikel verschiedene weltliche und kirchliche Auftritte. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam die Tätigkeit der Musikkapelle fast gänzlich zum Erliegen. Erst 1919 und in den folgenden Jahren ist wieder eine rege musikalische Tätigkeit in St. Michael zu verzeichnen.

Am Ende der Zwanzigerjahre hatten es die Vereinskapellen unter dem Joch des Faschismus immer schwieriger, ihre Tätigkeit in vollem Umfang auszuüben. So mussten sich auch alle drei bestehenden Kapellen des Eppaner Gemeindegebietes in einem sogenannten „Dopolavoro-Verein“ (faschistischer Freizeitverein) eingliedern, um nicht aufgelöst zu werden.

Während des Zweiten Weltkrieges leistete eine kleine Gruppe verfügbarer Musikanten – die sogenannte „Plazottamusig“ – sporadisch den musikalischen Dienst. Unter dem Namen „Vereinskapelle St. Michael Eppan“ nahmen 21 verbliebene und junge Musikanten 1946 unter der musikalischen Leitung von Moritz Corazza ihre Tätigkeit wieder auf.

Im selben Jahr konnte die Bürgerkapelle St. Michael Eppan erstmals in ihrer neuen Tracht ausrücken. Bis dahin hatten die Musikanten stets die typischen braunen Schützenröcke getragen. Diese Tracht zeigt sich unverkennbar in den Tiroler Landesfarben weiß und rot. Weiteres Markenzeichen der Tracht ist die Spielhahnfeder am Hut und das Stoffmaterial aus Bozner Loden. Bei der Tracht der Bürgerkapelle handelt es sich nicht um die originale „historische“ Überetscher Tracht, deren Ursprünge ins Mittelalter zurückreichen, sondern um eine teilweise Nachahmung und Anpassung an den Zeitgeschmack der Nachkriegsjahre.

1951 übernahm der aus Böhmen stammende Josef Michel den Taktstock, drei Jahre später erhielt die Kapelle erstmals eine Vereinsfahne.

In der politisch angespannten Zeit der Sechziger Jahre wurde die Bürgerkapelle St. Michael 1963 kurzzeitig aufgelöst. In der folgenden Zeit beteiligte sich die Bürgerkapelle mit Kapellmeister Arnold Dellagiacoma, der die Kapelle von 1957 bis 1988 leitete, unter anderem an zahlreichen Wertungsspielen in der Ober- und Höchststufe im In- und Ausland.

Zur guten Entwicklung der Bürgerkapelle haben in den vergangenen Jahrzehnten die langjährigen Obmänner Robert Meraner (auch langjähriger Obmann des Verbandes Südtiroler Musikkapellen VSM), Eduard Spitaler und Wilfried Trettl maßgeblich beigetragen.

Im November 1988 übernahm der damalige Südtiroler Landeskapellmeister Gottfried Veit die musikalische Leitung der Bürgerkapelle; 1999 übernahm Josef Egger, langjähriger Kapellmeister der Musikkapelle Nals, die Bürgerkapelle; 2003 bis 2005 stand ihr Josef Fischnaller aus Lüsen vor. Von 2006 bis 2013 hatte Ralf Stefan Troger die musikalische Leitung inne.

Anlässlich der 100-Jahr-Feier im Jahre 1998 erhielt die Kapelle eine neue Vereinsfahne, geschaffen vom bekannten Südtiroler Künstler Robert Scherer. Im Jubiläumsjahr 1998 ist zudem eine umfangreiche Festschrift erschienen.

Seit 1965 pflegt die Bürgerkapelle eine enge Partnerschaft mit dem Musikverein Wiesenbach e.V. (Landkreis Günzburg zwischen Ulm und Augsburg). Freundschaftliche Beziehung pflegt die Musikkapelle zur Stadtkapelle Kirchdorf an der Krems (Oberösterreich).